Das deutsche Handwerk ist eine tragende Säule der Wirtschaft. Doch es steht vor einer großen Herausforderung: dem zunehmenden Fachkräftemangel. Eine Kombination aus demografischem Wandel, sinkenden Ausbildungszahlen und wachsendem Bedarf verschärft die Lage weiter. Internationale Fachkräfte sind deshalb nicht nur eine Ergänzung, sondern ein zentraler Bestandteil zur Sicherung der Zukunft des Handwerks.
1. Fachkräftemangel im Handwerk: Ein strukturelles Problem
In Deutschland fehlen derzeit rund 250.000 Fachkräfte im Handwerk – quer durch alle Gewerke. Allein rechnerisch kann etwa die Hälfte aller offenen Stellen nicht besetzt werden. Gründe dafür sind zum einen der demografische Wandel, zum anderen das wachsende Auftragsvolumen etwa durch die Energiewende.
2. Demografischer Wandel verschärft den Engpass
Bis 2035 werden laut Schätzungen rund sieben Millionen Menschen mehr aus dem Erwerbsleben ausscheiden als neu eintreten. Das Handwerk ist besonders betroffen: Viele Betriebe werden altersbedingt geschlossen. Allein in den nächsten fünf Jahren brauchen 125.000 Handwerksbetriebe eine Nachfolge. Der Wissens- und Erfahrungstransfer droht damit zu reißen.
3. Ausbildung reicht nicht aus
Aktuell absolvieren etwa 342.000 junge Menschen eine Ausbildung im Handwerk, was rund 28 % aller Azubis in Deutschland ausmacht. Doch die Bewerberzahlen sinken kontinuierlich. Viele Schulabgänger entscheiden sich für ein Studium – die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze im Handwerk liegt stabil bei etwa 20.000 pro Jahr. Die duale Ausbildung allein kann den Bedarf nicht decken.
4. Internationale Fachkräfte: Schon heute unverzichtbar
Der Anteil ausländischer Beschäftigter in Deutschland liegt bei 16,1 % – mehr als doppelt so hoch wie noch 2010. Im Handwerk sind internationale Fachkräfte längst Alltag: In der Gebäudereinigung liegt der Ausländeranteil bei über 60 %. Auch im Bau oder in der SHK-Branche ist ihr Beitrag entscheidend.
Auch in der Ausbildung steigt der Anteil: 13 % der Auszubildenden im Handwerk besitzen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Gleichzeitig zeigt das Handwerk besonderes Engagement in der Integration – etwa durch Projekte für Geflüchtete oder Willkommenslotsen.
5. Zukunftsprognosen: Bedarf steigt weiter
Der Fachkräftebedarf im Handwerk wird bis 2030 weiter steigen – je nach Branche sogar deutlich. Für den Bereich Gebäudeenergie etwa werden zusätzlich 130.000 Arbeitskräfte gebraucht, um die Klimaziele umzusetzen. In der SHK-Branche könnten bis 2035 rund 30.000 Fachkräfte fehlen. Allein durch altersbedingte Abgänge droht sich die Lücke zu verdoppeln.
6. Politische und wirtschaftliche Antworten: Fachkräfteeinwanderung neu gedacht
Mit dem reformierten Fachkräfteeinwanderungsgesetz (2023) hat Deutschland gezielt die Türen für qualifizierte Drittstaatsangehörige geöffnet. Die neue Chancenkarte mit Punktesystem ermöglicht es auch erfahrenen Fachkräften ohne formale Anerkennung, nach Deutschland zu kommen.
Institutionen wie die Bundesagentur für Arbeit (ZAV) und Handwerkskammern rekrutieren aktiv im Ausland – etwa in Vietnam oder Brasilien. Programme wie „Passgenaue Besetzung“ oder „Willkommenslotsen“ helfen kleinen Betrieben bei der Suche und Integration.
7. Digitalisierung: Neue Anforderungen an Fachkräfte
Die Digitalisierung verändert auch das Handwerk. Von 3D-Druck bis Smart Home: Neue Technologien erfordern neue Kompetenzen. Betriebe brauchen technikaffine Fachkräfte, die mit modernen Maschinen und Software umgehen können. Weiterbildung und internationales Know-how werden daher immer wichtiger.
Zukunft braucht Vielfalt
Die Herausforderungen im Handwerk – Demografie, Ausbildungslücken, Digitalisierung – sind nur durch eine gezielte strategische Öffnung nach außen zu bewältigen. Internationale Fachkräfte sind kein Notbehelf, sondern ein zentraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Fachkräftestrategie. Sie ermöglichen Betrieben, weiterhin wirtschaftlich zu arbeiten, Innovationen umzusetzen und junge Menschen auszubilden.
Noch skeptisch gegenüber Fachkräften aus dem Ausland?
In der Elektro- und Elektronikindustrie zählen Präzision, Sicherheit und hohe Qualifikation – da ist es verständlich, wenn Unternehmen bei internationalen Bewerber:innen genau hinschauen. Doch: Der Zugang zu qualifizierten ausländischen Fachkräften kann gerade in diesen Berufen ein wertvoller Lösungsweg sein.
Was Sie als Unternehmen tun können:
- Setzen Sie auf strukturierte Anerkennungsverfahren:
Nutzen Sie die Möglichkeit, ausländische Berufsabschlüsse offiziell anerkennen zu lassen – z. B. über die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) oder über die Handwerkskammern.
- Starten Sie mit Pilotprojekten:
Beginnen Sie mit wenigen, gezielt ausgewählten internationalen Fachkräften. So sammeln Sie erste Erfahrungen, ohne große Risiken einzugehen.
- Begleiten Sie neue Mitarbeiter aktiv:
Sprachkurse, Mentoring im Team und eine klare Einarbeitungsstruktur machen den Unterschied. Integration ist kein Selbstläufer – aber gut machbar.
- Nutzen Sie spezialisierte Partner:
Sie müssen nicht alles selbst herausfinden – Plattformen und Dienstleister mit Fokus auf internationale Fachkräfte bieten oft umfassende Unterstützung: von der Vorauswahl über Visa-Angelegenheiten bis zur Integration im Betrieb.
Und hier kommt 4EIGN Talents ins Spiel
Als spezialisierter Partner für Industrie- und Handwerksunternehmen in Deutschland kennen wir die Herausforderungen – und liefern Lösungen. Von der Auswahl passender Kandidat:innen über digitale Prozessbegleitung bis zur Integration begleiten wir Unternehmen ganzheitlich und langfristig.
Zukunft braucht Fachkräfte – und die gibt es nicht nur vor der eigenen Haustür.
Quellen
Berufliche Bildung im Handwerk, Entwicklungen und Herausforderungen im Kontext von Digitalisierung und demografischem Wandel – Bundesinstitut für Berufsbildung
Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2023 https://www.bibb.de/dokumente/pdf/bibb_datenreport_2023_korr_11102023.pdf
Fachkräfte für die Energiewende https://www.prognos.com/de/projekt/fachkraefte-energiewende
Fachkräftesicherung im Handwerk https://www.zdh.de/themen-und-positionen/fachkraeftesicherung/
Fachkräftemangel in Handwerksberufen – Frauen sind ein wichtiger Teil der Lösung https://www.iwkoeln.de/studien/lydia-malin-helen-hickmann-fachkraeftemangel-in-handwerksberufen-frauen-sind-ein-wichtiger-teil-der-loesung
Kennzahlen des Handwerks https://www.zdh.de/daten-und-fakten/kennzahlen-des-handwerks/