Sprach- und Kommunikationsbarrieren
Im technischen Bereich ist Deutsch am Arbeitsplatz unerlässlich. Nicht nur im Team, sondern vor allem bei Sicherheitsanweisungen und im Kundenkontakt. Viele ausländische Elektriker haben zwar Grundkenntnisse (A2/B1) in Deutsch, allerdings zeigt die Praxis, dass das Sprachniveau zu Beginn oft noch nicht voll ausreicht. Arbeitgeber müssen einkalkulieren, dass fachsprachliche Schulungen und regelmäßige Anwendung nötig sind. Technische Begriffe, Arbeitssicherheitshinweise und Dokumentationen (z. B. das Lesen deutscher Schaltpläne oder VDE-Bestimmungen) erfordern zusätzliche Einarbeitung. Hier bewähren sich betriebliche Patenschaften oder vorbereitende Sprachkurse. Im Erfolgsfall zahlt es sich aus: Bei einem Hamburger Elektrobetrieb blieben alle angeworbenen Techniker aus dem Ausland dem Unternehmen treu und brachten hohe Loyalität – sie schätzen oft die Aufstiegschancen und die Investition des Arbeitgebers in ihre Weiterbildung.
Fachliche Nachqualifizierung
Wie oben beschrieben, weisen viele ausländische Abschlüsse inhaltliche Lücken zum deutschen Standard auf. Für den Arbeitgeber bedeutet das, anfangs gezielte Weiterbildung einzuplanen. Häufig geht es um Bereiche wie Arbeitsschutz und Normenkunde (deutsche Unfallverhütungsvorschriften, DIN/VDE-Normen), moderne Steuerungs- und Automatisierungstechnik oder IT-Kompetenzen, die ergänzt werden müssen. Betriebe sollten hier eng mit den Kammern und Bildungswerken kooperieren. Die Kammern liefern im Anerkennungsbescheid meist Hinweise, welche Lernfelder nachgeschult werden müssen. In einigen Regionen fehlen allerdings sofort verfügbare Kurse im Elektrobereich, sodass individuelle Einarbeitung im Betrieb umso wichtiger wird. Es hat sich bewährt, einen Qualifizierungsplan zu erstellen. Zum Beispiel, festzulegen, welche Kurse oder Praxiseinsätze in den ersten 6–12 Monaten vorgesehen sind, damit die Fachkraft alle benötigten Fertigkeiten erwirbt. Viele große Industrieunternehmen setzen hierbei auf Learning-on-the-Job kombiniert mit externen Lehrgängen (etwa überbetriebliche Lehrlingswerkstätten für bestimmte Spezialthemen). Diese Investition zahlt sich aus, da die Fachkraft anschließend voll einsetzbar ist. „Angesichts des Fachkräfteengpasses im Elektrikerbereich wird sich diese Investition schon bald auszahlen“, so ein Hamburger Elektro-Technik Betrieb, der die Anerkennung seiner ausländischen Mitarbeiter aktiv fördert.
Bürokratie und Timing
Die Verfahren zur Anerkennung und Einreise erfordern einiges an Koordination. Als Arbeitgeber muss man mit Wartezeiten rechnen: Ein Anerkennungsverfahren dauert typischerweise ein paar Monate. Parallel läuft oft das Visumverfahren, seit 2020 gibt es das beschleunigte Fachkräfteverfahren, bei dem Arbeitgeber über die Ausländerbehörde die Prozessschritte bündeln können. Dennoch müssen Dokumente (Zeugnisse, Übersetzungen, Beglaubigungen) beschafft und Kosten getragen werden. Viele Unternehmen übernehmen mittlerweile die Gebühren für die Anerkennung und unterstützen ihre Kandidaten bei den Formalitäten. Empfehlenswert ist, frühzeitig den Kontakt mit der zuständigen IHK/HWK aufzunehmen, um den Referenzberuf korrekt zu bestimmen und alle erforderlichen Unterlagen parat zu haben. Fehler bei der Zuordnung (z. B. Antrag fälschlich bei der IHK statt bei der HWK gestellt) können zu Verzögerungen führen. Hier helfen die Beratungsstellen des „Anerkennung in Deutschland“ Portals oder das BQ-Portal, die passende Stelle zu finden. Auch das Förderprogramm “Integration durch Qualifizierung (IQ)” bietet regionale Beratungsangebote, die Unternehmen und Fachkräfte durch den Anerkennungsdschungel lotsen.
Kulturelle Integration und Bindung
Die Integration endet nicht mit der Arbeitsaufnahme. Kulturelle Unterschiede im Arbeitsstil (z. B. deutsche Direktheit, Pünktlichkeit) und im Alltag können anfänglich Reibungspunkte sein. Erfolgreiche Beispiele zeigen, dass engagierte Betreuung und ein Willkommensmanagement entscheidend sind. So berichtet ein Elektrotechnik-Unternehmen, das Dutzende Fachkräfte aus Kolumbien rekrutiert hat, dass sie von Anfang an Wohnungen bereitgestellt, Vereinsmitgliedschaften vermittelt und wöchentliche Orientierungsrunden angeboten haben, „wie Deutschland und speziell unsere Region funktioniert“. Themen wie Führerscheinumschreibung, Behördenwege oder auch einfach die Gepflogenheiten beim gemeinsamen Mittagessen wurden aktiv erklärt. Für die Teamdynamik im Betrieb lohnt sich dieser Aufwand: Anfangs skeptische Kollegen ließen sich überzeugen, und heute sind internationale Teams gern gesehen. Viele ausländische Fachkräfte zeigen große Dankbarkeit und Loyalität, wenn sie sich willkommen fühlen. Die Fluktuation unter den angeworbenen Elektrikern war in dem genannten Beispiel gleich null – alle sind geblieben. Diese Mitarbeiterbindung ist ein großer Vorteil in einer Zeit, in der inländische Kräfte oft schneller wechseln.
Kunden- und Haftungsaspekte
In sicherheitskritischen Bereichen der Elektrotechnik legen Auftraggeber Wert auf nachweislich qualifiziertes Personal. Ein formell anerkannter Abschluss schafft Vertrauen gegenüber Kunden und Versicherungsträgern. Ein Praxisbeispiel: Die Horst Busch Elektro-Technik GmbH in Hamburg ließ selbst für Elektriker aus EU-Ländern (für die es nicht vorgeschrieben war) ein Anerkennungsverfahren durchführen, um Qualität zu garantieren. Prokurist Michael Gantenberg betont, dass er die Mitarbeiter durch die formale Anerkennung gegenüber den Kunden stärken und ein hohes Maß an Arbeitsqualität zusichern konnte. Durch die anerkannte Gleichwertigkeit kann er die Fachkräfte „problemlos in allen Projekten einsetzen“. Alle haftungsrechtlichen Fragen sind geklärt. Dieses Beispiel zeigt, dass die Anerkennung aus Arbeitgebersicht auch ein Qualitätsmerkmal sein kann, das betriebliche Abläufe und die Rechtssicherheit verbessert.
Trotz Herausforderungen: Warum sich Hoffnung lohnt
Die Integration internationaler Elektro-Fachkräfte aus Drittstaaten ist anspruchsvoll – keine Frage. Sie erfordert Geduld, Struktur und Investitionen. Aber sie bringt auch große Chancen mit sich. Denn diese Fachkräfte kommen nicht nur mit einem Berufsabschluss, sondern mit echter Veränderungsbereitschaft, Lernwillen und Loyalität. Viele von ihnen haben bereits in anderen Ländern gearbeitet, sprechen mehrere Sprachen und schätzen die Verlässlichkeit und Entwicklungsmöglichkeiten des deutschen Arbeitsmarkts.
Was uns hoffnungsvoll stimmt:
- Hohe Motivation: Ausländische Fachkräfte sind bereit, sich auf neue Standards, Sprachen und Kulturen einzulassen – wer das schafft, bringt wertvolle Soft Skills mit.
- Stabile Bindung: Während inländische Fachkräfte oft schneller den Arbeitgeber wechseln, zeigen internationale Fachkräfte überdurchschnittlich hohe Loyalität.
- Zukunftssicherheit: In einer alternden Gesellschaft mit schrumpfendem Nachwuchs sind internationale Talente keine Übergangslösung, sondern die tragende Säule künftiger Teams.
- Erfolgsbeispiele gibt es bereits: Immer mehr Unternehmen berichten von positiver Entwicklung, gelungenem Teamspirit und messbarem Nutzen durch internationale Rekrutierung.
Die Herausforderungen sind real, aber die Perspektiven sind stärker.
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Quellen
Anerkennung von Abschluss und Zeugnis https://www.arbeitsagentur.de/fuer-menschen-aus-dem-ausland/anerkennung-abschluss
Arbeitshilfe: Besonderheiten der beruflichen Anerkennung von Elektroniker*innen https://www.netzwerk-iq.de/fileadmin/Redaktion/Downloads/Fachstelle_Beratung_und_Qualifizierung/FSBQ_Arbeitshilfe_Elektronikerinnen.pdf
Horst Busch Elektro-Technik: Anerkennung als Qualitätsmerkmal https://www.bq-portal.de/Anerkennung-f%C3%BCr-Betriebe/Praxisbeispiele/horst-busch-elektro-technik-anerkennung-als-qualitaetsmerkmal
Internationale Fachkräfte werden für viele Unternehmen immer mehr zum Wachstumsgarant https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/zav/projects-programs/interprofessional-trainee/team/erfahrungsbericht-arbeitgeber